Es war eine der sonnigen Mittagspausen, in denen sich die indianischen Delegationen auf der großen Wiese vor dem Palais des Nations in Genf ausgebreitet hatten. Älteste im Federschmuck wurden von Fotografen belagert, dazwischen wimmelte es von Kindern und Jugendlichen, Frauen mit Babies im Tragetuch, es sah aus, als hätten Indianer die UNO besetzt. Und genau das war passiert: Ureinwohner von Alaska bis zum Amazonas waren – mit Kind und Kegel – in die Schweiz gereist, um vor dem UN-Entkolonialisierungsausschuss Zeugnis abzulegen über Rassismus, Unterdrückung, Verfolgung, Landraub. Sie waren singend zum Schlag der Trommel in die UNO eingezogen. Es war im September 1977, für eine Woche ging es bunt und laut zu in den Gängen der Vereinten Nationen.
Es war eine der sonnigen Mittagspausen, in denen sich die indianischen Delegationen auf der großen Wiese vor dem Palais des Nations in Genf ausgebreitet hatten. Älteste im Federschmuck wurden von Fotografen belagert, dazwischen wimmelte es von Kindern und Jugendlichen, Frauen mit Babies im Tragetuch, es sah aus, als hätten Indianer die UNO besetzt. Und genau das war passiert: Ureinwohner von Alaska bis zum Amazonas waren – mit Kind und Kegel – in die Schweiz gereist, um vor dem UN-Entkolonialisierungsausschuss Zeugnis abzulegen über Rassismus, Unterdrückung, Verfolgung, Landraub. Sie waren singend zum Schlag der Trommel in die UNO eingezogen. Es war im September 1977, für eine Woche ging es bunt und laut zu in den Gängen der Vereinten Nationen.
Das war 1969, vierundvierzig Jahre später, 2013, verlegte die Minnesota Historical Society Press seine umfangreiche Chronik unter dem Titel We Are Still Here: A Photographic History of the American Indian Movement. Dicks Begegnung mit Pat Ballenger eröffnet das große und großartige Buch, für das er die indianische Journalistin Laura Waterman-Wittstock als Co-Autorin gewinnen konnte. Richard Bancrofts Biografie beginnt typisch und nimmt dann Wendungen, wie sie dem typischen Amerikaner aus dem Mittelwesten selten beschert sind. Little Richard, 1927 geboren, hat das Glück, in einem Haus aufzuwachsen, in dem jeden Freitag die neue LIFE in der Mail Box liegt. Er ist neun Jahre alt, als LIFE Magazine auf den Markt kommt. „Ich habe die Hefte verschlungen“, bekennt er später in einem Interview mit FotoEvidence, „ und ich habe mehr von den Bildern gelernt, als von den Texten“.
Wann immer ich das Haus Bancroft am Sunfish Lake betrat, begann ein Austausch von Geschichten. Dick führte das große Wort, seine Eloquenz war nahezu unschlagbar, aber auch Debbie und die Kinder entpuppten sich als Geschichtensammler. Ich fühlte mich in meinem Element. Die täglichen Besucher lieferten ihre Erlebnisse ab, ich durfte dabei sitzen und die Szene genießen: Da war Emil, der Bauer, der Ice Fishing über alles liebte und seinen Fang immer mit den Bancrofts teilte; da waren die verschiedenen Baumbeschneider, die durchs Geäst turnten; da war Bear, die gute Seele der Stadtindianer; da waren die engagierten Journalisten Mordechai Spector und Jesse Hardman, die heiße Diskussionen liebten; da war Vernon Bellecourt, der brillante Denker von AIM; da war Larry Long, der Mississippi-Troubador; da waren der Sänger Floyd Red Crow Westerman, der nie ohne Gitarre kam, und der Singer-Songwriter Mitch Walking Elk, der auch ohne Gitarre kam; da war Marv Davidov, die linke Stimme von Minnesota; da war die junge Anti-Atom-Kriegerin Winona LaDuke, die uns – Dick und mich – als erste ins Vertrauen zog, als sie schwanger war. Als Dennis Banks auf seiner Reise vom souveränen Onondaga Nation Territory zum Gerichtshof in Rapid City, SD am Sunfish Lake eine Ruhepause einlegte, war ich leider nicht zugegen.